Vom Sieben-Mann-Betrieb zur modernen Unternehmensgruppe: Tischlermeister Jörg Baumeister zeigt, wie traditionelles Handwerk, Digitalisierung und KI zusammenfinden – ohne die Menschlichkeit zu verlieren.
Wenn Jörg Baumeister durch seine Hallen geht, spürt man sofort: Hier hat jemand mit Herz und Verstand etwas aufgebaut. Als er 2006 die Dorstener Tischlerei Große Pavic übernahm, war der Betrieb klein, familiär mit sieben Mitarbeitern, einem Maschinenpark und viel Leidenschaft. Was folgte, war ein mutiger Weg: Spezialisierung statt Bauchladen, klare Strukturen statt Improvisation. Die Reparaturen wurden abgegeben, der Ladenbau reduziert, und trotzdem wuchs das Unternehmen Stück für Stück in Richtung hochwertiger Innenausbau. Heute arbeiten rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Baumeister, auf einem großzügigen, modernisierten Firmengelände, samt Showroom, erweiterten Werkhallen und neuester Maschinentechnik.
Wachstum heißt Veränderung
Mit dem Wachstum veränderte sich auch der Alltag. Neue Mitarbeitende, größere Projekte, mehr Verantwortung. Vom Möbelbau in Dorsten bis zu Projekten auf Schalke. Baumeister, selbst Schalke-Fan, erinnert sich noch gut: „An meinem ersten Tag habe ich direkt an der Pressetribüne mitgebaut. Ein perfekter Start."
Vergrößert wurde immer wieder, manchmal aus Notwendigkeit, manchmal aus Bauchgefühl. Baumeister erzählt grinsend: „Ich habe ständig gesagt: Mach hier noch einen Durchbruch. Bis irgendwann einer meinte: Jörg, wenn wir hier durchbrechen, landen wir auf der Straße.“
Digitalisierung trifft Handwerk
Ein wichtiger Schritt in die Zukunft war die Gründung neuer Unternehmensbereiche. Unter dem Dach der Baumeister Group sind Tischlerei, Schlosserei, 3D-Vermessungsbüro und der Lackomat vereint, eine hochmoderne Lackierstraße, die inzwischen für Betriebe aus ganz Deutschland fertigt. Was früher mit Handskizzen begann, wird heute millimetergenau vermessen, visualisiert und als digitaler Zwilling geplant. „Wir können Kunden zeigen, wie ihr Raum aussieht, bevor wir überhaupt loslegen“, sagt Baumeister.
KI als Chance
Und dann ist da noch die Künstliche Intelligenz. Baumeister spricht offen darüber, wie sie bereits heute eingesetzt wird: bei Urlaubsplanung, Ausschreibungen, Visualisierungen, Arbeitsprozessen oder Suchmaschinenoptimierung. „Ich sehe KI als Chance. Sie nimmt uns die monotonen, nervigen Aufgaben ab. Das Handwerk an sich, das kann sie nicht ersetzen.“ Baumeister ist überzeugt: Wer neue Technologien ignoriert, bleibt stehen. „Man darf keine Angst haben. Sonst wird man überholt.“
Was die Zukunft bringt
Trotz aller Technik bleibt der Kern des Erfolgs menschlich: ein motiviertes Team und ein Chef, der auf eine gute Atmosphäre Wert legt. Moderne Pausenräume, ein Fitnessstudio, Platz für Partys, Begrünung auf dem Hof. „Die Leute halten mich manchmal für bescheuert, was ich hier alles ‚nur‘ für meine Leute mache. Aber ganz ehrlich: Wenn der Arbeitsplatz schön ist, kommt man gern hin und macht auch gute Arbeit. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Die Firma ist zudem Ausbildungsbetrieb aus Überzeugung. Zehn Auszubildende hat Baumeister in Produktion und Büro.
Beim Blick zurück muss Baumeister lachen: „Vielleicht hätten wir nicht alles gleichzeitig machen müssen.“ Aber bereuen? Keine Spur. Sein Betrieb ist gewachsen, räumlich, digital und menschlich. Er zeigt, dass die Zukunft der Arbeit im Handwerk mehr kann, als viele glauben: innovativ sein, präzise, digital – und trotzdem voller Herz.