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Hopfen für die Heimat
,,Uns wurde immer ein kleines Taschengeld zugesteckt, damit wir mehr brauen können.", Johann, Craft-Beer-Schöpfer. Foto: Felix Kleymann

Hopfen für die Heimat

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Karoline Jankowski

Aus Bastelbrauversuchen im Wohnzimmer ist ein Pils geworden, das Dorsten endlich wieder eine eigene Biergeschichte einschenkt.

Wenn Johann Tietz und Corvin Biesterfeldt von ihrem ersten Sud erzählen, klingt das eher nach Chemie-AG als nach glamouröser Craft-Beer-Szene. Gebraut wurde im Einkochtopf von Oma, das Ergebnis: ein verdorbenes Bier, eins klebrig süß, eins so bitter, dass selbst hartgesottene Onkel kapitulierten. Sie sind dran geblieben. Zum Glück. Sie brachten ihre Experimente weiter zu Geburtstagen, Familienfeiern, Vereinsabenden. Irgendwann stand auf dem Tisch nicht mehr „irgendein Kasten“, sondern diese ominösen Flaschen mit dem TiBi-Etikett. „Unsere Freunde haben uns dann Taschengeld zugesteckt, damit wir weiterbrauen“, erzählt Corvin.

Wenn das Hobby anfängt, Geld zu bringen, wird es zur Marke. Heute heißt diese Marke TiBi-Brauerei, Kleingewerbe seit 2024, erster Profisud im Herbst, abgefüllt bei Potts im Münsterland. Für Johann und Corvin ist das kein Stilbruch, sondern Qualitätsgarantie: „Wir haben keinen Braumeistertitel, nur viel Internet, Bücher – und Probierlaune“, sagt Johann. „In der Profibrauerei bekommen wir dafür ein sauberes, stabiles Bier mit langem MHD zurück.“

Helles Gold

Der Computer steuert die Anlage, die beiden steuern Rezept und Idee. Und wie schmeckt TiBi? Stellen wir uns ein klassisches Pils vor, ziehen die Bitterkeitsschraube ein bisschen straffer (39 IBU), lassen aber genug Platz für Malz und Frische. Im Glas: helles Gold, feine Kohlensäure, in der Nase ein Hauch Wiese, ein bisschen Zitrus. Im Mund zuerst ein klarer, hopfiger Anschlag, dann wird es weich, fast cremig, leicht malzig, sehr süffig. „Wir wollten ein Bier, das nicht nach Einheitsware schmeckt, aber trotzdem ein geschmeidiges Pils ist“, sagt Corvin.

Dorsten ist dafür die natürliche Bühne. Hier sind die beiden groß geworden, hier gibt es Schützenvereine, Fußballplätze, Kegelclubs – und die legendäre Bierbörse. Viel Bier-Genuss, aber seit den 90ern keine Brauerei mehr. Deswegen also nur völlig logisch: „Gerade Dorsten muss eigene Biere haben“, finden Johann und Corvin – und eben auch Dorsten. Das kühle Blonde gibt es mittlerweile im Hafen Café, in Stadtagentur, Taverna Angelos, Edeka Honsel, Vinylcafé und Getränke Abel zu kaufen und zu konsumieren. Natürlich gibt es Stolpersteine.

Gastronomien hängen in Verträgen mit Großbrauereien, viele Stammtrinker halten sich an ihr Standardbier. „Dieses ‚Was der Bauer nicht kennt, das trinkt er nicht‘ kriegen wir oft zu spüren“, erzählt Corvin. Dazu ein Preis von 1,40 Euro pro Flasche – für ein Mikrobrauerei-Pils günstig, für den Fernsehbier-Fan teuer. Die Pläne der beiden sind trotzdem größer als ihr erster Einkochtopf.

Eine zweite Sorte ist in Arbeit, die Dorstener Bierbörse bleibt gesetzt. Langfristig träumen sie von einer kleinen, eigenen Mikrobrauerei in Dorsten – für Maibock, Festbier, Sommereditionen und irgendwann auch alkoholfrei. „Wir wollen keine Konkurrenz sein“, sagt Johann, „sondern die Dorstener Bierkarte einfach ein bisschen spannender machen.“ 

Info
TiBi-Brauerei

Tibi-brauerei.de
Insta: @tibi_brauerei

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