Zwischen schnurrenden Kätzchen und nächtlichen Rettungseinsätzen: Conny Sander kämpft für Dorstens Streunerkatzen – und wurde dafür beim Wettbewerb Vest Future mit dem dritten Platz ausgezeichnet.
Wenn man Conny Sander besucht, tritt man nicht einfach in ein Wohnzimmer, sondern betritt ein kleines Katzenuniversum. Überall stehen Kratzbäume, auf den Stühlen sitzen neugierige Samtpfoten, und auf dem Sofa schlafen vier winzige Kätzchen eng aneinandergeschmiegt. Man merkt sofort: Hier leben Lebewesen, die angekommen sind.
Sichtbarkeit rettet Leben
Dabei war für Conny der Weg in den Tierschutz alles andere als geplant. Vor sieben Jahren stieß sie zum ersten Mal auf die Arbeit von Streunerkatzen-Initiativen und haderte zunächst mit der Aufgabe.
„Ich habe drei Monate mit mir selbst gerungen“, erinnert sie sich. „Ich wusste nicht, ob ich die kranken oder verletzten Tiere emotional ertragen kann.“
Am 1. April 2018 gründete sie schließlich Streunerkatzen Dorsten. Kein Aprilscherz, sondern der Beginn eines Ehrenamts, das ihr Leben bis heute bestimmt. Ihre Motivation? „Diese Tiere da draußen haben niemanden. Wir sind ihre Stimme.“
Der Verein kümmert sich vor allem um die Kastration herrenloser Katzen, aber auch um Todfunde, die dokumentiert und – wenn möglich – den Besitzern zugeordnet werden. Viele Katzen landen anschließend in Pflegestellen, einige auch bei Conny selbst: Kätzchen ohne Mutter, verletzte Tiere, Senioren, die ihre letzten Monate in Ruhe verbringen dürfen.
Öffentlichkeitsarbeit ist ein entscheidender Teil ihrer Arbeit. Conny zeigt, was draußen passiert – auch abends im Regen, auch wenn es wehtut. Das brachte den Streunerkatzen eine starke Präsenz, die beim Wettbewerb Vest Future schließlich den dritten Platz einbrachte.
„Wir hätten nie damit gerechnet“, erzählt Conny. Wochenlang sammelte das Team Stimmen, schrieb E-Mails, motivierte Unterstützerinnen und Unterstützer. Einen Tipp für sich neu bewerbende Vereine hat Sander auch: „Holt euch ein gutes Team, mit dem ihr das durchzieht. Zusammenhalt ist alles.“
Das Preisgeld fließt in die neu gebaute Kastrationshütte: ein zentraler Ort, um Tiere sicher unterzubringen und medizinisch zu betreuen.
Vermittlung mit Verantwortung
Ein neues Zuhause vermittelt Conny Sander nur mit großer Sorgfalt. „Ich sage auch Nein“, betont sie bestimmt. Ein Tier werde nur abgegeben, wenn Haltung, Erwartungen und Voraussetzungen wirklich passen.
„Ich bin immer erste Ansprechpartnerin. Wenn etwas ist, will ich es sofort wissen.“
Was sie sich für die Zukunft wünscht? „Mehr Menschen, die hingucken. Mehr Menschen, die ihre Freigänger kastrieren und chippen lassen.“ Denn viel Tierleid entstehe, weil Hilfe zu spät komme oder Tiere nicht identifizierbar seien. „Lieber einmal zu viel rufen als einmal zu wenig“, sagt sie.
Während die getigerte Shani, die noch vor ein paar Wochen zwischen Leben und Tod schwankte, sich in ihren Arm schmiegt, ist klar: Für Conny Sander ist das hier mehr als ein Ehrenamt. Es ist Verantwortung, Haltung und Liebe – jeden Tag, rund um die Uhr.