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Ein Plan, der in die Geschichte eingeht
Foto: Volker Beushausen

Ein Plan, der in die Geschichte eingeht

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Karoline Jankowski

Die engagierte Schülerin Lilian stellt einen einzigartigen Austausch mit einem Zeitzeugen im Jüdischen Museum Westfalen auf die Beine.

New York: Sami Steigmann erscheint auf dem Zoom-Bildschirm. Sein Lächeln hat trotz allen Horrors eine geradezu tröstliche Dimension. Geboren wurde er zu Anfang des zweiten Weltkriegs in der heutigen Ukraine. Mit anderthalb Jahren deportierte man ihn in ein Konzentrationslager. Die Nazis unternahmen medizinische Experimente an ihm. Bis heute leidet er an den Folgen. Und doch lächelt er.

„Ich war super nervös, aber er hat so eine Wärme ausgestrahlt, dass ich nach zwei Minuten das Gefühl hatte, mit meinem Großvater zu sprechen. Da war direkt ein natürliches, vertrautes Gefühl“, erzählt die Person, die 6.000km entfernt auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt.

Es ist die 18-jährige Abiturientin Lilian Magdanz. Trotz Aufregung schickt auch sie ein Lächeln über den virtuellen großen Teich.

Lilian fackelt nicht lang

Eigentlich sollte sie nur ein Referat zum Thema Holocaust vorbereiten. Wenn man sich für Geschichte interessiert, kommt man nicht umhin, ab und zu im Graubereich zwischen seriöser Fachliteratur und Fake News zu schwimmen. „Bei so einem wichtigen Thema wollte ich es auch einfach vermeiden, nur in Büchern darüber zu lesen. Man versteht die Dimension des Terrors doch ohnehin kaum. Ich musste mit jemandem sprechen, der den Holocaust erlebt hat“, erzählt Lilian.

Das Problem: Zeitzeugen sind rar, die meisten schon verstorben. Aber Lilian gibt nicht auf. Über mehrere Stationen bekommt sie Sami Steigmans Kontakt. „Besonders interessant finde ich an seiner Geschichte auch, dass er Zeitzeuge in zweiter Generation ist. Er war noch ein Kleinkind, als ihm all das angetan wurde“, sagt Lilian. Sein Fokus liegt vor allem auf der Erinnerungskultur.

Bildung, Aufklärung und Toleranz

Sami Steigman ist der Ton, Lilian das Sprachrohr eines Diskurses, der immer wieder auf taube Ohren stößt. Nicht nur innerhalb der Gen Z, auch gesamtgesellschaftlich. Nach dem Zoom-Call, der ja eigentlich nur Recherche war, war beiden klar: Sie müssen mit anderen Schülerinnen und Schülern sprechen. Zusammen mit dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten planen Sami und Lilian einen Vortrag.

Doch wieder ein Problem: Sami Steigmann lebt unter der Armutsgrenze. Eine Reise nach Dorsten kann er sich nicht leisten. Prompt startet Lilian eine Spendenaktion, bittet darum, die Erinnerungskultur an Schulen und in Museen zu fördern. Dass sie das Spendenziel in gerade mal einer Woche erreicht, ist bloß ein weiterer Meilenstein ihres Bildungsengagements. Gekrönt wurde dieser am 31. August schließlich mit dem geplanten Vortrag. „Schon der Zoom-Call hat mich sehr bewegt und verändert. Dieses Präsenztreffen war wirklich bereichernd“, sagt sie.

Und nun?

Auf die Frage, was Lilian studieren will, antwortet sie mit schiefem Grinsen „Medizin“. Nichtsdestotrotz wird sie sich weiterhin engagieren, die Themen Geschichte und Aufklärung werden immer wichtig sein. Karoline Jankowski

Mehr Infos unter:

Jüdisches Museum Westfalen
Sami Steigmann

Info
Jüdisches Museum Westfalen

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