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Porsche, Fisch und ganz viel Können
Foto: Reiner Kruse

Porsche, Fisch und ganz viel Können

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Laura Tirier-Hontoy

Im TextilWerk der Diakonie entstehen Produkte – und neue Perspektiven.

Bei Sarah liegt eine Arbeitshose unter der Nähmaschine. Der Riss im Stoff wird gleich kaum noch zu sehen sein. Ein paar Plätze weiter entstehen bunte Stoff-Fischchen, die in Willkommenspaketen für Neugeborene landen, im Nebenraum surrt die Stickmaschine. Im TextilWerk der Diakonie liegen kleine Handarbeit und große Kundenaufträge nah beieinander.

Ein Arbeitsplatz, der zu einem gehört

Die Aufträge sind so unterschiedlich wie die Beschäftigten selbst. Für die Industrie entstehen Filter für Spritzanlagen, für die Polizei Teile von Schutzausrüstung, für Jugendämter kleine Giveaways. Aus ausrangierter Arbeitskleidung werden Umhängetaschen. Wer an den Industrie-Nähmaschinen arbeitet, braucht Konzentration und Feinmotorik.

Fachkraft Barbara Pötter nennt den Juki-Schnellnäher augenzwinkernd den „Porsche“ unter den Nähmaschinen. „Da kann die Nähmaschine zuhause nicht mithalten“, lacht sie. Neue Beschäftigte lernen hier Schritt für Schritt: erst einfädeln, auf Papier üben, irgendwann Stoff unter der schnellen Maschine führen.

Viele arbeiten hier seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. Entsprechend groß ist die Bindung an den eigenen Arbeitsplatz. „Diese Identifikation mit der eigenen Maschine, die gibt man nicht her“, sagt Pötter.

Lisa gehört seit fast acht Jahren zur Textilgruppe und ist Frauen- und Sicherheitsbeauftragte. Trixi hat in zwei Monaten 500 Blusen umgelabelt und damit vor dem Schreddern bewahrt. Hülya bedient den Neuzugang im Werk, die hochprofessionelle – und nicht ganz unkomplizierte – Stickmaschine, die in wenigen Minuten komplexe Muster auf Textilien bringen kann. Dass sie bislang als Einzige daran arbeiten darf, macht sie sichtlich stolz.

Und Sarah? Die flickt Arbeitshosen, näht Stofffischchen und arbeitet privat an einem Kissen für ihren Freund. Als im Gespräch Jahreszahlen durcheinandergeraten, lacht sie: „Mit Zahlen hab ich’s nicht so.“ Mit Stoff und Nadel sieht das ganz anders aus.

Fördern ohne Überforderung

Hinter all den Aufträgen steckt mehr als Produktion. Ziel ist es, Fähigkeiten zu stärken, Selbstvertrauen aufzubauen und – wenn es passt – Wege zu Arbeitsplätzen in Betrieben oder den allgemeinen Arbeitsmarkt zu öffnen. Termindruck soll dabei möglichst draußen bleiben. „Der Faktor Stress soll hier eigentlich nicht vorkommen“, erklärt Pötter. Aufgaben werden deshalb so verteilt, dass sie zu den jeweiligen Fähigkeiten passen.

Und die Förderung endet nicht an der Nähmaschine. Heike Lehmbach vom Sozial Begleitenden Dienst ist Ansprechpartnerin für die Beschäftigten bei Konflikten, persönlichen Fragen und ihren individuellen Zielen. Das kann Lesen und Schreiben sein, ein Scherenführerschein oder auch ein Mobilitätstraining für ÖPNV und Fahrrad. Gerade dies sind wichtige Schritte zur Selbstständigkeit.

So geht es im TextilWerk am Ende um mehr als ein fertiges Produkt. Es geht auch um das Gefühl, auf die eigene Arbeit schauen und sagen zu können: „Das habe ich gemacht.“

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

Recklinghäuser Werkstätten

Alle weiteren Infos zu den Recklinghäuser Werkstätten des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Recklinghausen findet ihr unter www.recklinghaeuser-werkstaetten.de.

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