Stella Reuter (29) hat in Dorsten eine 5.000 Quadratmeter große Abenteuerwelt aufgebaut. Die Mining Adventure World entstand ohne Bankkredit, aber mit einer großen Portion Mut.
Wer am Fürst-Leopold-Platz 1 die Stufen hinuntergeht, lässt den Alltag oben zurück. Eben noch blinzelt man in die Frühjahrssonne, hört das normale Stadtgeräusch. Und dann: ein dunkler Gang. Kühle Luft. Von LEDs angestrahlte Backsteinmauern, schwere Stahltüren, irgendwo hallt ein metallisches Klacken. Hier unten beginnt eine andere Welt.
Was nach stillgelegter Industrie klingt, ist heute Abenteuerkulisse, hier wird jetzt gerätselt, gespielt, geschwitzt – und manchmal geschrien. Die Mining Adventure World hat den Zechencharme nicht übertüncht, sondern zur Bühne gemacht. Hinter ihr steht eine Unternehmerin, die mit 24 beschloss, lieber Welten zu bauen als Tabellen zu pflegen.
Vom Management zum Gruselfaktor
Stella Reuter kam ursprünglich aus der Telekom-Branche: Management, sicheres Gehalt, klare Strukturen. Nebenbei spielte sie im Grusellabyrinth in Bottrop – Schauspiel war seit der Theater-AG ihre Welt. Als das Labyrinth insolvent ging, bewarb sie sich bei Niclas Holtrup und seinem Escape-Room-Projekt in Dorsten. Aus dem Nebenjob wurde eine Idee. Aus der Idee die Entertainment Wizards GmbH. Und dann kam Corona. Gerade eröffnet – und plötzlich geschlossen. Statt aufzugeben, bauten sie weiter. Mit eigenem Geld, ohne Kredite. Während die Welt stillstand, entstanden neue Räume und Konzepte. „Unternehmerischer Leichtsinn“, nennt Stella es heute und lacht. „Das ist der Vorteil, wenn man noch so jung ist.“ Wer grün hinter den Ohren sei, zerdenke nicht alles. Jung zu gründen heißt: Energie, Mut und die Bereitschaft, 24/7 für eine Vision zu brennen. „Klar macht man Fehler – wichtig ist, weiterzumachen.“
Fünf Jahre später ist aus einzelnen Räumen eine 5.000-Quadratmeter-Erlebniswelt geworden. Urlaub? Vier Jahre lang keiner. Bürokratie, Bauanträge, Personalverantwortung – das Unternehmerleben ist Realität. „Ich mache heute fast nur noch Büro“, sagt sie.
Mehr als Escape
Escape Rooms allein reichen nicht mehr. Also entstanden Challenge Rooms – ein Konzept, das mehrfach spielbar ist. Immersion ist hier kein Buzzword: echte Kulissen, Themenräume, Dolby-Surround-Klangwelten von Freizeitpark-Profis. „Menschen sollen in eine andere Welt abtauchen“, sagt Reuter. Sechs Escape Rooms gibt es inzwischen – vom Hotel der geheimnisvollen Uhren bis zur Villa der Addams Family. Hunderttausende Euro fließen in Umbauten und Details.
Wachsen will Stella weiter: neue Standorte, mehr Bekanntheit, weitere Erlebnisse. Die Umsätze steigen. Vielleicht ist genau das der Kern dieser Geschichte: Mit 24 den Mut zu haben, etwas zu beginnen, ohne zu wissen, wie schwer es wird. Zu bauen, obwohl die Welt gerade stillsteht. Und dranzubleiben. Wer heute die Stufen am Fürst-Leopold-Platz hinab
steigt, betritt nicht nur eine andere Welt. Sondern auch das Ergebnis einer Entscheidung, die viele in diesem Alter nicht getroffen hätten. Manchmal reicht eben eine Portion Leichtsinn, um Großes entstehen zu lassen.
Fürst-Leopold Platz 1
46284 Dorsten